Axel Braun - Offener Brief - RWE Power AG - Sparte Wasserkraft

"Die Technik Kunst muss grausam sein, wenn sie sich durchsetzen will."

Das Projekt des jungen Künstlers Axel Braun zeigt uns als Wasserkraftbetreiber eine andere Sicht auf unsere Technologie. Gefördert durch die RWE Stiftung erfasst der Künstler ungefiltert und frei von jeglicher Einflussnahme der RWE-Fachabteilungen (RWE Power Sparte Wasserkraft und RWE Innogy) eine Vielzahl von Facetten der Wasserkraft und gibt diese in seiner Ausstellung und dem zugehörigen Buchdruck als ein Mosaik von Bildern und Zitaten wieder.
Dabei zeichnet er ein Gesamtbild, das dem Wasserbauingenieur auf den ersten Blick mehr als nur provokant - "grausam" - erscheint. Texte und Bilder sind überwiegend einseitig, gar tendenziös zusammengestellt und zeigen dabei alle erdenklichen Risiken und kritischen Aspekte der Wasserkraft auf.

So erinnert der Künstler beispielsweise an Talsperrenkatastrophen aus 1925 in Großbritannien und 1963 in Italien um im weiteren Verlauf des Kunstwerks dann Bezug auf das aktuelle Projekt PSW Atdorf und Erdbebenrisiken im Südschwarzwald zu nehmen. Einen Zusammenhang zwischen diesen Projekten zu suchen erscheint unter technischen Aspekten mehr als fragwürdig. Wie kann eine Katastrophe, die vor einem halben Jahrhundert in Italien durch grobe Fahrlässigkeit verursacht wurde mit einem aktuellen Projekt verbunden werden? Einem Projekt, das nach neuesten Erkenntnissen entwickelt wird und höchsten Sicherheitsansprüchen entsprechend des aktuellen Standes der Technik und der Wissenschaft genügen wird? Würde man einen derartigen Bezug bei anderen Technologien, die sich in den vergangenen 50 Jahren in gleicher Weise weiterentwickelt haben, überhaupt zulassen - etwa bei PKW? Für Wasserbauingenieure mag der Vergleich dieser Wasserbauprojekte weit hergeholt sein. Der Künstler zeigt uns aber die Sicht eines Außenstehenden. Und versetzen wir uns in diese Rolle, so ist die Frage der Sicherheit eines solchen Projektes nachvollziehbar und berechtigt. Selbstverständlich kann eine große Stauanlage für einen Unterlieger bedrohlich erscheinen. Und anders als bei PKW sind die technischen Entwicklungen der vergangenen fünf Jahrzehnte und das tatsächliche Sicherheitsniveau eben nicht für jedermann offensichtlich erkennbar. Damit gibt uns der Künstler eine wichtige Aufgabe, nämlich transparent die tatsächlichen Sicherheitsbedingungen aufzuzeigen und damit Vertrauen zu schaffen. Er erinnert uns zudem an die hohe Verantwortung, die wir beim Bau und Betrieb von Stauanlagen tragen. Eine Verantwortung der wir uns an jedem Tag bewusst sind und der wir zu jeder Zeit gerecht werden müssen indem wir die Sicherheit gewährleisten und weiter entwickeln.  Niemals dürfen wir die Gefahrenpotentiale vernachlässigen, auch wenn seit den Kriegsereignissen im Jahr 1943 (Die Operation Chastise, 16. und 17. Mai führte zur Zerstörung der Eder- und Möhnetalsperre.) niemand mehr durch eine Talsperrenkatastrophe getötet wurde.

In ähnlicher Weise regt der Künstler zu verschiedenen Themen eine kritische Diskussion an und erinnert uns an unseren Grundsatz bei der technischen und ökologischen Entwicklung stets vorwegzugehen. Sei es bei der Entwicklung neuer Fischschutzanlagen, der Sedimentbewirtschaftung von Staubecken oder der Entwicklung ergänzender Speichertechnologien. Auch hier zeigt uns das Kunstwerk die Notwendigkeit diese Entwicklungen offen und transparent zu kommunizieren.

Einige Darstellungen des Künstlers reichen jedoch weit über das Maß nachvollziehbarer Kritik hinaus bis hin zu Behauptungen und Darstellungen, die unter objektiven Gesichtspunkten geradezu unhaltbar erscheinen.
So wird beispielsweise im Vorwort von Herrn Parodi dargestellt, dass die Stromerzeugung aus Wasserkraft klimaschädlicher sei, als die mengengleiche Erzeugung mit fossilen Brennstoffen. Eine Einschätzung, die nicht nur für die Laufwasserkraftwerke der RWE nachweislich unzutreffend ist, sondern der auch umfassende Untersuchungen unabhängiger nationaler und internationaler Institute wiedersprechen.
An anderer Stelle erzeugen skizzenhafte Bilder und Erläuterungstexte unter Fotos den Eindruck, dass selbst aktuelle Pumpspeicherprojekte dem Zweck des Greenwashings" – also der Zwischenspeicherung von Kernenergie - dienen. Auch dies Darstellungen, die in Deutschland als Nettostromexporteur unter Gesichtspunkten des Kernkraftausstiegs und der anstehenden Energiewende und erst recht unter aktuellen Marktbedingungen geradezu grotesk anmuten.

Wo aber finden sich im Kunstwerk die positiven Aspekte von Pumpspeicherkraftwerken im Werk des Künstlers? Ihr Nutzen als eine Schlüsseltechnologie für die Energiewende, als Puffer für volatile Energiequellen wie Wind und Sonne, als sichere, zuverlässige und seit vielen Jahrzehnten ausgereifte Technologie zur Stabilisierung unserer Stromnetze? An welcher Stelle finden sich die Vorzüge von Laufwasserkraftwerken, z.B. als zuverlässiger Lieferant regenerativer Energie, als Technologie die jährlich mehr als 20 Mio. t CO2 in Deutschland einspart? Wo zeigt der Künstler, dass gerade in Deutschland die regenerative Wasserkraft überwiegend als Nebenprodukt von Stauanlagen gewonnen wird, deren vorrangige Bestimmung der Hochwasserschutz, die Trinkwasserversorgung und die Schiffbarmachung von Flüssen ist?

Zusammenfassend müssen wir feststellen, dass das Kunstwerk für uns in allen Bereichen schwer verständlich ist. Es wäre jedoch zu kurz gegriffen den Künstler oder sein Werk zu verurteilen oder der Lüge zu bezichtigen. Auch wenn das Gesamtbild unter technisch objektiven Maßstäben betrachtet verzerrt und sicherlich nicht neutral ist, so ist es doch das Ergebnis der vorurteilsfrei begonnenen Recherche eines Künstlers. Und auch wenn dieses Bild in vielen Bereichen nicht die technische Realität wiederspiegelt, so müssen wir wohl aber erkennen dass dies die Realität der Wahrnehmung in Teilen der Öffentlichkeit ist. Und darin zeigt sich eine gravierende Misere. Wir wissen um die Vorzüge unserer Technologie, jedoch ist die Wasserkraft für Außenstehende nicht immer selbsterklärend. Offensichtlich besteht ein enormer Bedarf hin zu einer wesentlich umfassenderen und dabei stets transparent erklärenden und nicht manipulativen Darstellung der Wasserkraft in der Öffentlichkeit. Dieser Herausforderung müssen wir uns stellen. Ein erster Schritt wurde mit einer umfassenden Neugestaltung unserer Internetpräsenz vollzogen.

Somit möchten wir abschießend Herrn Braun für sein Werk und die Lehren, die wir daraus ziehen durften danken. Wir wünschen Herrn Braun auch weiterhin viel Erfolg für sein künsterlisches Schaffen.

Erklärung:
Die Veröffentlichung: "Die Technik muss grausam sein, wenn sie sich durchsetzen will." von Axel Braun entstand als Kunstprojekt im Rahmen des Programms "Visit" der RWE Stiftung und ohne Beteiligung der technischen Fachabteilungen von RWE. Wir weisen darauf hin, dass die Inhalte und Aussagen des Kunstwerks nicht die Meinung der RWE – Power AG – Sparte Wasserkraft wiedergeben.

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